SPD-Urgestein Dieter Heistermann wird 70
Kreis Höxter. Die SPD nennt Mitglieder, die sich über sehr lange Zeit an vorderer Stelle für ihre Ziele eingesetzt haben, gerne „Urgestein“. Im Kreis Höxter verdient diese überaus respektvoll gemeinte Bezeichnung keiner mehr als Dieter Heistermann. Das „Urgestein“ der Kreis-SPD vollendet am Samstag, 30. September, sein 70. Lebensjahr. Die Biografie des 1936 in Bielefeld geborenen Arbeitersohns liest sich in Teilen wie die Geschichte der SPD in unserer Region. In einer gemeinsamen Erklärung würdigen der SPD-Kreisvorsitzende Johannes Reineke, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Andreas Suermann, die stellvertretende SPD-Vorsitzende und stellvertretende Landrätin Dorit Flore, der Landtagsagbeordnete Jürgen Unruhe und der Kreisverbands-Geschäftsführer Herbert Cramme die herausragenden Leistungen des Geburtstagskindes:
„Dem Volksschüler war der politische Werdegang keineswegs in die Wiege gelegt. Die Kindheit fiel in die Zeit des Krieges und des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Vielleicht war es schon damals der Idealismus, dass es so nicht wieder werden darf und dass es besser werden muss, der den Zehnjährigen 1946 zum Eintritt in die Sozialistische Jugend „Die Falken“ bewegte. In dieser Jugendorganisation hat er es bis zum Unterbezirksvorsitzenden von Bielefeld gebracht, von 1958 bis 1962 übte er die Tätigkeit des hauptamtlichen 2. Bezirkssekretärs aus. Über die Falken führte ihn der weitere Weg in die SPD, Eintritt 1957. Dort arbeitete er zunächst im Ortsverein Calvinenfeld ehrenamtlich, nach 1962 hauptamtlich in der Bielefelder SPD. Zuvor lernte Dieter Heistermann durch seine Werkzeugmacherlehre und seine weitere Tätigkeit als Werkzeugmacher bis 1957 die Situation, die Nöte, die Interessen und die Stärken der Arbeiter von der Pike auf kennen.
Im Jahre 1963 wechselte Dieter Heistermann Arbeits- und Wohnort von Bielefeld in den Kreis Höxter. Hier begann er als erster Geschäftsführer für den SPD-Unterbezirk Höxter-Warburg und leistete Pionierarbeit. Damals hatte die SPD im Gebiet des heutigen Kreis Höxter nur 300 Mitglieder. Sein Ziel war es, die Sozialdemokratie hier aufzubauen und zu einer starken Kraft zu machen. Diese Aufgabe ging er mit beispielloser Energie an. Dieter Heistermann sprach mit jedem einzelnen Mitglied, warb neue, gründete Ortsvereine, leistete Vertrauensarbeit für die Partei. Über die Parteigrenzen hinweg erwarb er sich einen Ruf als engagierter und kompetenter Kommunalpolitiker im Kreistag – nicht ohne Ecken und Kanten, aber mit klarem Profil. Hier war er von 1970 bis 1981 Vorsitzender der SPD-Fraktion. Von 1975 bis 1981 war er außerdem Mitglied der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe. 1980 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt. Von Anfang an war er Mitglied des Verteidigungsausschusses und seit 1992 dort stellvertretender Vorsitzender.
Trotz seines Einsatzes in der großen Politik blieb er stets offen für die Sorgen und Nöte der arbeitenden Menschen und ihrer Familien. Das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern war zentraler Punkt seines Engagements. Er veranstaltete Bürgersprechstunden, hörte zu und half, wo immer es möglich war. Diese hartnäckige Kärrnerarbeit führte insbesondere in den 80er und 90er Jahren zu beachtlichen SPD-Wahlergebnissen von über 30 Prozent im struktur-schwarzen Kreis Höxter. Die Mitgliederzahl im SPD-Kreisverband Höxter, vormals Unterbezirk Höxter-Warburg, stieg kontinuierlich bis weit über 1000.
Wer im Kreis Höxter sozialdemokratische Politik vertritt, braucht einen starken Rückhalt. Dieter Heistermann hat ihn in seiner Familie über die Jahrzehnte gefunden. Aus seiner Ehe mit Edeltraud Heistermann gingen drei Kinder hervor.
SPD-Leute brauchen gerade im südlichen Ostwestfalen auch einen langen Atem. Gute Argumente setzen sich angesichts der Mehrheiten nur sehr langsam durch. Der Jubilar verfügt über die Ausdauer eines politischen Langstreckenläufers. Doch nach wie vor kann er sich über Ungerechtigkeiten und besonders schiefe soziale Lagen im Kreis Höxter ärgern. Vielleicht ist es gerade dieser Umstand, der ihn jung hält und der ihn immer noch antreibt, sich für die Schwächeren einzusetzen. Dieter Heistermann ist seit 1999 Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Höxter. Auch diesem Wohlfahrtsverband hat er wie der Kreis-SPD seinen ureigenen Stempel aufgedrückt. Die mehr als 1300 Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, von denen er nicht wenige selbst für die SPD angeworben hat, wünschen ihm weiterhin Kraft und Einsatzfreude für seine Ziele, Glück und Zufriedenheit für seinen nächsten persönlichen Lebensabschnitt.“

