Unruhe kritisiert Kleingeist Backhaus
Kreis Höxter. An die Landtagsabgeordnetenzeit von Prof. Dr. Heinrich Rosenbaum, den Höxteraner Dozenten, werden sich die Älteren noch erinnern. Der CDU-Politiker war von 1966 bis 1970 und nochmals von 1975 bis 1980 Mitglied des Landtags (MdL). Die Zwischenzeit von 1970 bis 1975 füllte übrigens Paul Sellmann neben seiner Tätigkeit als Oberkreisdirektor aus. Das erste SPD-Mitglied aus dem Kreis Höxter, das dem Landtag angehörte, war Horst Hein (1975- 1985 und 1989/90). Die Erinnerung an die noch älteren Landtagsabgeordneten lässt jetzt Jürgen Unruhe aufleben. Er hat in aufwendiger Recherchearbeit die Lebensdaten sämtlicher Politiker aus dem Kreis Höxter, die von 1947 bis heute als Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag tätig waren, objektiv zusammengestellt. Allein die Veröffentlichung seines Beitrages ist überraschenderweise noch ungeklärt.
Jürgen Unruhe, seit 2005 selbst Landtagsabgeordneter (SPD) ist im 63. Jahr des Bestehens des nordrhein-westfälischen Landtags auf die Idee gekommen, die Namen der Abgeordneten und sogar die der Kandidaten für die jeweiligen Landtagswahlen zusammenzustellen. Unruhe: „In den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit der Thematik beschäftigt. Die Mitarbeiter der Landtagsbibliothek und des Archivs haben mich in mühevoller Kleinarbeit unterstützt und mir sehr gutes Bildmaterial, Biographien der ehemaligen Landtagsabgeordneten sowie einige Informationen aus alten Ministerialblättern zur Verfügung gestellt. Da in den Biographien noch einige Details fehlten, habe ich zur Vervollständigung meiner Arbeit noch die Städte Warburg und Höxter sowie den Kreis Höxter, den SPD-Kreisverband und den CDU-Kreisverband angeschrieben und um Mithilfe gebeten. Die Zusammenarbeit war hervorragend und die gewünschten Informationen kamen umgehend. Auch die CDU hat mich mit alten Jubiläumsschriften unterstützt, was mich persönlich besonders gefreut hat.“ Allein Hubertus Backhaus fand die Geschichte der Abgeordneten aus der Feder von Jürgen Unruhe zur Veröffentlichung „uninteressant“, so der Landrat in einem Telefongespräch mit dem Abgeordneten.
Unruhe hat seine Aufzählung mit Heinrich Schlüter (CDU) begonnen. Der gebürtige Godelheimer war bereits während der Weimarer Republik als Kommunalpolitiker tätig. Da noch für die Zentrumspartei. Schlüter gehörte die ersten drei Wahlperioden bis 1958 dem Landtag an, war nach dem Krieg erster Bürgermeister der Gemeinde Godelheim (1945/1946). Der Ossendorfer Anton Volmert, gleichfalls CDU, vertrat den früheren Wahlkreis Büren-Warburg von 1947 bis 1970 in Düsseldorf.
Des weiteren werden in Unruhes Beitrag Dr. Karl-Josef Koch und Franz Lüke erwähnt. Koch, Landrat des Kreises Warburg, war von 1950 bis 1954 für die Deutsche Zentrumspartei im Landtag; Lüke (CDU), ehemaliger Landrat des Kreises Höxter (1956 bis 1958), ehemaliger Bürgermeister Höxters (1961 bis 1966), gehörte dem Landesparlament von 1958 bis 1966 an. Gar 25 Jahre (1980 bis 2005) wirkte der Steinheimer CDU-Politiker Antonius Rüsenberg in Düsseldorf, Paul Mohr aus Dössel von 1983 bis 1995 und 1998 bis 2000.
Die Riege der SPD-Abgeordneten führte von 1998 bis 2000 Hannelore Ludwig fort, bisher einzige Frau aus dem Kreis Höxter im Landtag. Als Grünen-Abgeordneter war Peter Eichenseher von 1995 bis 2005 in Düsseldorf tätig.
Unruhe ergänzt seine Ausarbeitung über die Abgeordneten aus dem Kreis Höxter mit solchen Mitgliedern des Landtags „mit Wurzeln im Kreis Höxter“. Der erste Landtagspräsident und oberste Repräsentant (1947 bis 1958) unseres Landes, zuvor erster Sozialminister (in der Ernennungsperiode des Landtages), gehört dazu: der gebürtige Großenederer Josef Gockeln, CDU, trat im Düsseldorfer Wahlkreis an. Auch die aktuelle grüne Landtagskollegin Unruhes, Monika Düker (seit 2000), geboren in Höxter, hat ihren Wahlkreis in der Landeshauptstadt.
Unruhe hat diesen historischen Beitrag über die Landtagsabgeordneten für das kommende Jahrbuch des Kreises Höxter und in enger Absprache mit der Redaktion dieser Publikation ausgearbeitet und im Juni dieses Jahres fristgerecht abgegeben. Landrat Backhaus hat als Herausgeber aber persönlich Unruhes Text „Der Kreis Höxter und seine Landtagsabgeordneten“ abgelehnt mit der Begründung im Kern: „uninteressant“.
Unruhe hat dies von der Sache her überrascht: „Ich habe noch keinen Zweiten gefunden, der die Auffassung von Herrn Backhaus teilt. Nicht in der Redaktion, nicht im Kreis derjenigen, denen ich von diesem Projekt berichtet habe, nicht in Düsseldorf. Allen, die mir geholfen haben, die Lebensdaten der Politiker zusammenzutragen, danke ich. Bitte um Verständnis, wenn es aus Gründen, die ich nicht zu verantworten habe, nicht zur Veröffentlichung im Kreisjahrbuch kommt. Ich bin aber sicher, dass sich ein Weg finden wird, dass dieser Beitrag in Gänze den Weg zur Öffentlichkeit findet. Die Entscheidung von Herrn Backhaus aber ist nicht nachvollziehbar. Hier zahlt er wohl mit kleiner Münze zurück, dass ich ihn in Sachen Kali und Salz sowie beim Thema Nationalpark Egge-Senne in seinen Kernaussagen widerlegt habe.“
