Kreistagsfraktion Ak Jugendhilfe

von Kreistagsfraktion Höxter (Kommentare: 0)

Mitglieder SPD Ak Jugendhilfe und Soziales

Sichtbare und unsichtbare Formen der Armut ( bei Kindern und deren Familien)

Armut lässt sich in verschiedene Formen einteilen:

Sichtbare Armut (alte Armut)       

Kennzeichen:       Langzeitarmut, kaum Aufstiegsperspektiven

 Familien, deren Armutslage sich über Generationen hinzieht

  • prekäre Beschäftigungsverhältnisse
  • oft häufiger Wechsel zwischen Sozialleistungsbezug und prekärer Beschäftigung
  • niedriges Bildungsniveau
  • oft Schulden
  • soziale Isolation
  • kombiniert mit anderen Problemlagen wie chronische /psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen, Behinderungen
  • manchmal Obdachlosigkeit

Alte Armut ist gut erkennbar: Kleidung, Verhalten, Gesundheitszustand. Die Familien sind bekannt.

Versteckte Armut (neue Armut)

Kennzeichen: oft nur zeitlich begrenzt, Aufstiegsperspektiven vorhanden

ist in allen Bildungsgraden und Berufsgruppen zu finden

  • kurzfristig eintretende Verarmungsprozesse z.B. durch Scheidung, Trennung, Arbeitslosigkeit, Krankheit
  • anfangs meist nur Einkommensarmut
  • wird häufig durch höheres Bildungsniveau, soziale Netzwerke, Eigenaktivitäten und andere Kompensationsmöglichkeiten gemildert

 

Neue Armut ist schwer zu erkennen: Aus Scham wird sie oft verborgen. Die Erwachsenen erhalten soviel Normalität wie möglich aufrecht. Man spricht nicht gerne über die Situation. Auch die Kinder versuchen die Einkommensarmut zu verbergen (als Schutz vor Stigmatisierung und Ausgrenzung).

 

Migrationsarmut

Kennzeichen: durch Migration verursachte Armut, kaum Aufstiegsperspektiven

 

  • kann meist aufgrund des rechtlichen Status nicht verbessert werden
  • Einkommensarmut
  • Sammelunterkünfte
  • oft sozial isoliert
  • Sprachbarrieren

 

Gesichter der Armut

  • materielle Armut (Einkommensarmut)
  • soziale Armut
  • emotionale Armut
  • gesundheitliche Armut
  • Bildungsarmut

 

Anzeichen von Armut in Kindertageseinrichtungen.

 

  • Die Kleidung entspricht oft nicht den Jahreszeiten
  • Kleidung zu groß oder zu klein
  • Kleidung wird lange, z. T. auch dreckig getragen und unregelmäßig gewechselt
  • fehlende Sportkleidung, zu kleine Schuhe und Hausschuhe
  • Der Kauf passender Ersatzkleidung wird lange hinausgezögert.
  • Essensgeld (auch ein kleiner Betrag) kann nicht mehr eingezogen werden
  • Die Teilnahme an Veranstaltungen, Kitafesten usw. bleibt aus (Die Kosten für Würstchen, Kuchen Getränke können nicht aufgebracht werden.)
  • Die Kinder dürfen sich nachmittags nicht (mehr) mit Freunden treffen.
  • Einladungen zum Kindergeburtstag der Freunde werden nicht angenommen (fehlendes Geld für Geschenke)
  • keine Urlaubsreisen
  • Musikunterricht, Sportvereine nicht möglich
  • Wohnsituation
  • unzureichende Mahlzeiten zu Hause
  • sichtbarer Heißhunger im Kindergarten
  • manchmal schlechter Gesundheitszustand (Läusebefall, ständiger Husten und Schnupfen, Zahnstatus)
  • manchmal mangelnde Körperhygiene
  • Hausarzt statt Kinderarzt oder Facharzt (Fahrtkosten)
  • notwendige Therapien werden nicht wahrgenommen (Fahrtkosten)

 

Fragestellungen zur Armut (vom Kind aus gesehen):

Wie ist der

  • Einkommens- und Versorgungsspielraum ?
  • Lern- und Erfahrungsspielraum?
  • Kontakt- und Kooperationsspielraum?
  • Muße- und Erholungsspielraum?
  • Dispositions- und Entscheidungsspielraum?

 

Grundsätzlich gilt:

Kinder sind darauf angewiesen, dass Eltern die familiären und gesellschaftlichen Ressourcen nutzen.

Es ist oft nicht ausschlaggebend, welche gesamtfamiliären Ressourcen den Kindern zur Verfügung stehen, sondern wie die erwachsenen Familienmitglieder mit diesen umgehen und nach welchen Prioritäten sie diese nutzen:

Welche Bedürfnisse werden in welcher Rangfolge befriedigt?

Wie werden zugängliche Ressourcen innerhalb der Familie verteilt?

Ein gutes Haushaltsmanagement ist wichtig und immer nützlich!

Gesetzlich geregelt ist der Kinderschutz bei Gefahren (VIII Sozialgesetzbuch),

Gesetzlich nicht geregelt ist der Umgang mit Armut und deren Folgen.

 

Quellen:

Kinderarmut erkennen,

wirksam handeln

Eine Arbeitshilfe zum Umgang mit

Kinderarmut und Kindesvernachlässigung

in evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder

 

Über Geld spricht man doch!

Ein Praxishandbuch für Familienzentren

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