Kreistagsmitglied Reinhold Kaufmann kritisiert Kahlschlag an den Straßenrändern

von Kreistagsfraktion Höxter (Kommentare: 0)

Vormals eine harmonisch gewachsene großkronige Baumreihe, jetzt eine Schande: Ein anschauliches Beispiel sei der im vergangenen Sommer durchgeführte Rückschnitt einer Ahorn-Begrünung an der B 7 in Ossendorf, sagt Reinhold Kaufmann.

Warburg. Für manchen ist es ein Kahlschlag: Bis zu 80 Prozent des Gehölzbestandes wurden in den vergangenen Wochen an der Bundesstraße 7 beschnitten oder gefällt. Auch an der B 241 bei Hohenwepel und Lütgeneder und der B 252 bei Germete wurde kräftig gestutzt. Dass manche Bürger dieses radikale Vorgehen kritisch sehen, ist den Verantwortlichen klar. "Es wird immer schwieriger, solche Maßnahmen den Leuten zu vermitteln", sagt Reinhard Stiller von der Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift des Landesbetriebs Straßen NRW.

Immer wieder werde er von Bürgern gefragt, warum so massiv in die straßenbegleitende Begrünung eingegriffen werde, berichtet Kreistagsmitglied Reinhold Kaufmann aus Ossendorf. Vom kräftigen Grün sei über Monate nichts zu sehen, sagt der Sozialdemokrat. "Trist und grau wirken die Böschungen, einfach abgeholzt." Von einem systematischen Vorgehen, so Kaufmann, keine Spur. Spaziergänger, Anlieger und Naturschützer zeigten sich entsetzt.

Im Frühling werde das Bild doch schon wieder ganz anders aussehen, bekam Kaufmann als Antwort auf seine Anfrage bei Straßen NRW. "Kein Trost für viele Kritiker, die das ungehemmte Fällen von gesunden Bäumen mit einer Mischung aus Traurigkeit und Wut betrachten", bilanziert der Kommunalpolitiker und fragt sich, auf welcher Grundlage dieser oder jener Baum gefällt oder ganze Trassen von Hecken und Büschen bereinigt worden seien. "Ich denke, ausnahmslos handelt es sich nicht um kranke Bäume und nur im geringen Maß um eine Verkehrswegesicherungspflicht der zuständigen Straßenbehörde", übt er wie viele weitere Warburger Kritik. Auf den Stock setzen, Verjüngungsschnitt, Fällungen und Ausdünnungen könnten sinnvoll sein, sagt Kaufmann. Doch die Radikalität der Maßnahme, mit der jetzt Bäume gefällt und Sträucher zurückgeschnitten wurden, bezweifelt er.

Dabei seien doch Gesetze mit dem Ziel geschaffen worden, Naturräume für Vögel und Insekten zu schützen. Eine Vielfalt von Tieren nutze das Straßendickicht als Zuflucht, als Wohn- oder Brutstätte, so argumentiere auch die Untere Naturschutzbehörde, sagt der 71-Jährige. Da stehe der massive Gehölzrückschnitt im Widerspruch zu Bestrebungen in der kommunalpolitischen Beratung, artenreiche und insektenfreundliche Biotope zu erhalten und zu fördern. Ein weiteres Argument für den Erhalt des üppigen Grüns führten Klimaschützer an, sagt Kaufmann: "Fachleute schätzen die positiven Eigenschaften von Sträuchern und Bäumen entlang der Straßen nicht nur als natürlichen Lärmschutz zu Wohngebieten, sondern auch, weil sie wenigstens einen Teil des Feinstaubs aus der Luft filtern, dort wo er entsteht."

»Diese Einschätzungen sind vor allem subjektiv«

Bäume und Sträucher, die an Straßen wachsen, erfüllen verschiedene Funktionen. Sie sichern durch ihr Wurzelwerk Böschungen und Straßenränder. Auch absorbieren Gehölze Emissionen und halten etwas Schall ab. Doch "diese Einschätzungen gelten selbst bei Experten vor allem als subjektiv", sagt der Pressesprecher der Regionalniederlassung Straßen NRW. Eigentlich sollten die Arbeiten aufgrund gesetzlicher Schonfristen bis Ende Februar beendet sein. Als Ausnahme wurde jetzt eine Verlängerung bis zum 9. März gewährt. Großräumig werde im Regelfall alle acht bis zehn Jahre an den Straßenrändern der Bundesstraßen aufgeräumt, sagt Stiller. Dass die Flächen nach den Arbeiten mitunter nach Raubbau aussähen, sei der Verkehrssicherheit, die an erster Stelle stehe, geschuldet. Und nach dem Beschnitt durch die Fachleute blühe es auch rasch wieder auf. "Das wächst wieder", bekräftigt Stiller.

Dagegen fordert Reinhold Kaufmann "eine doch fachgerechtere Arbeit mit Augenmaß und im Sinne eines verantwortlichen Naturschutzes".

Rabiate Arbeiten: Auch auf der Bundesstraße 7 zwischen Warburg und Ossendorf wurden zahlreiche Bäume gefällt.

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